Iran ist anders: Am Morgen in der Bank werden wir sofort vom Bankangestellten ausgefragt, aber nein, nicht aus banktechnischen Gruenden, sondern aus reiner Neugierde. Waehrend er seelenruhig seine Agenda auseinanderzupft um uns die darin enthaltenen Bilder vom Iran zu schenken kuemmern sich seine Kollegen um unser eigentliches Anliegen. Wozu also braucht man ein Informationsbuero wenn man die Infos gleich auf der Bank erhaelt? Die Ausfragerei geht auf der Strasse auch gleich weiter. Bei jeder Gelegenheit werden wir ausgefragt; von wo kommt ihr? Wie heisst ihr? Was ist euer Beruf? Aber die Topfragen sind immer noch: Warum kommt ihr in den Iran? Gefaellt es euch? Welche Orte werdet ihr besuchen? Wenn diese Fragen erst mal beantwortet sind marschieren sie zufrieden weiter, ohne dir die Chance zu lassen auch eine Frage zu stellen. Eine aeusserst komische Unterhaltung hatten wir mit einem Iraner in Tabriz. Seine etwa dritte Frage war: "You know I really like Hitler, he was a really great person, what do you think?" und von ihm wurden wir auch aufgeklaert, dass er, genau wie wir, schlisslich auch ein Arier sei, naja...er war ein hoffnungsloser Fall.
Interessanterweise werden hier jedoch Kuenstler auch bezahlt um anti - Amerika und Israel Bilder an die ehemalige Botschaftswand von Amerika zu malen...
Interessant sind auch Busfahrten. Um moeglichen Kontakt zwischen Maennlein und Weiblein zu verhindern werden die Busse in der Haelfte durch eine Absperrung getrennt. Vorne Maenner, hinten Frauen. Taxifahrten sind auch nicht ohne, denn nicht selten kommt man dann in den Genuss von 60er, 70er und 80er Jahre Popmusik (meistens von der ueblen Sorte...), welche jedoch sofort ausgeschalten wird wenn ein Polizist in der Naehe ist.
In Teheran hatten wir das Glueck vom lieben Farshad (Sams Friend seit letzter Iranreise) und seiner lieben Frau Samane beherbergt, herumgefuehrt, ausgegangen, eingelanden zu werden und so den Iran noch intensiver zu erleben...
Und die Iraner sonst? Irgendwo auf dieser Welt hilfsbereitere und grosszuegigere Menschen als die Iraner zu finden duerfte schwierig sein. Keine Minute steht man verloren an einer Kreuzung ohne dass ein "Retter" auftaucht und helfen will (auch wenn sie manchmal noch weniger Ahnung als du selber haben, aber dann fragen sie sofort eine andere Person und nicht selten stehen dann bis zu 6 Iraner um dich rum und diskutieren heftig wie sie uns jetzt helfen koennen). Um dir den Weg zu zeigen laufen sie auch gerne einen Umweg es sei doch "no problem". Ihre Hilfsbereitschaft ist aber manchmal auch zu viel, so hat uns Farshad Snacks fuer eine Woche eingepackt fuer eine 6 stuendige Busfahrt von Tehran nach Esfahan. Und versuchen sich zu wehren ist unmoeglich, sie machen sowieso das was sie wollen:-)
Nebst Touristen zu helfen scheint Picknicken die beliebteste Freizeitaktivitaet zu sein. Schliesslich sind sie darin offiziell Weltmeister und auf jedem noch so kleinen gruenen Fleckchen sieht man eine Familie am Picknicken. Beim Familienvoelkerball machen dann schlisslich auch Alle mit, egal ob das das Kopftuch mal zuenftig verrutscht. Zudem ist ein Ausflug ans Kaspische Meer so beliebt, dass wir vor lauter Autos nicht mal hingekommen sind...
Iraner kann man auch am omnipraesenten Nasenpflaster erkennen. Nein, es ist nicht etwa eine Atemhilfe wegen der schlechten Luft in der Stadt, es ist ein Ueberbleibsel einer Nasenoperation. Ob Mann oder Frau, ohne Puppennase ist man nicht in. Es geht so weit, dass einige sogar nur das Pflaster tragen, um so zu tun als haetten sie diese Operation auch gehabt. Und am Abend gehen wir ins Laedeli visavis noch schnell ein Wasser kaufen. Und was haengt da an der Wand? Ein Foto von der Eigernordwand, home sweet home...


...chli ifersüchtig machts mi scho. aber o süchtig nach meh biuder! cheili mammnun. salam michu
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